Der Spaniel als Jagdhelfer

    Bei großen Drückjagden werde ich häufig auf meine Hunde angesprochen. Viele Jäger kennen die Rasse nicht oder haben sie noch nie im jagdlichen Gebrauch gesehen. Das ist erstaunlich bei einer so alten Jagdhunderasse. Andererseits kamen auf großen Jagdmessen mehrmals alte Jäger zum Spanielstand und erzählten mir, dass ein Spaniel der Jagdhund ihres Lebens gewesen sei.
    Was leisten nun die Spaniels? Sie sind feinnasige und intelligente Hunde mit großer Arbeitsfreude. Das befähigt sie zu hervorragender Arbeit auf der Schweißfährte, was sie häufig genug in der Praxis aber auch auf Verbandsschweißprüfungen nachweisen. Spaniels stöbern spur- und fährtenlaut, sind dabei aber keine weiträumigen Hetzer, die das Wild in Panik versetzen. Ursprünglich nur unter der Flinte geführt, orientieren sie sich an ihrem Führer und lassen sich in vielen Fällen ohne besondere Abrichtung mit Handzeichen zur Suche schicken und dirigieren. Spaniels sind ausgesprochen wasserfreudige Hunde, die bei entsprechender Einarbeitung bei der Entenjagd eingesetzt werden können.
    Immer wieder werde ich nach der Eignung für Schwarzwild gefragt. Unsere Spaniels sind keine Spezialisten für dieses Wild, aber wir haben mit ihnen schon sehr gute Schwarzwildstrecken erzielt. Einige Spanielführer arbeiten ihre Hunde im Schwarzwildgatter ein. Im Jahr 2004 konnten bei der Prüfung alle teilnehmenden Spaniels das Leistungszeichen "S" erringen. Der Spaniel besitzt keine blindwütige Schärfe am Schwarzwild, sondern er arbeitet in der Regel mit Sicherheitsabstand.
    Ich habe in mehr als dreißig Jahren nie einen Spaniel mit ungenügender Wildschärfe besessen, jedoch einige mit Raubzeug- und Raubwildschärfe. Aber alle diese Hunde waren bezaubernde Familienmitglieder und liebevolle Spielgefährten meiner heranwachsenden Kinder. Das ist ja schließlich auch der Grund, warum ein Großteil der Spaniels als Begleithund Verwendung findet. Man kann diese Hunde überall mitnehmen und selbst in einem vollgepackten Urlaubsauto findet sich zumindest für einen Cocker immer noch ein Platz. Spaniels sind entgegen ihrem Ruf sportliche Hunde und ich kann jedem nur abraten, sich einen anzuschaffen, wenn er sich im Revier nur mit dem Auto bewegt.
    Die beiden Zucht- und Prüfungsvereine in Deutschland bieten Jugend-, Herbst- und Vollgebrauchsprüfungen an. Es werden als Anlagenfächer Stöbern und Spurlaut am Hasen geprüft. Bei der Gebrauchsprüfung sind es neben Stöbern die Schweißarbeit auf der Übernachtfährte, die Wasserarbeit, die Apportierfächer (außer Fuchs), die Arbeit unter der Flinte im Feld und die Gehorsamsfächer wie letztendlich bei den Vorstehhunden auch. Jagdlich geführt werden in Deutschland der Englische Cocker Spaniel und der Englische Springer Spaniel und selten der Welsh Springer Spaniel.
    In den Rassevorschriften wird der Cocker als fröhlicher, robuster, sportlicher und kompakter Hund von ungefähr 40 cm Schulterhöhe beschrieben. Mit unermüdlichem Rutenspiel folgt er den Spuren unerschrocken im unwegsamen Dickicht. Sein Charakter wird als sanft und anhänglich, jedoch voller Leben und Überschwang gefordert. Die Augen sollen straffe Lidränder haben! Hierauf ist beim Kauf eines jagdlich zu führenden Cockers zu achten. Das Haarkleid soll glatt und seidig sein und nicht zu reichlich. Solch ein Haarkleid ist eine Augenweide, wenn es gepflegt ist und ein Genuß, wenn man den Hund streichelt (senkt den Blutdruck!), jedoch erfordert es eine gewisse Pflege. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, einmal wöchentlich durchzukämmen, wozu ich pro Hund 10 Minuten brauche. Außerdem ist es vorteilhaft, wenn der Cocker hin und wieder getrimmt wird. Die Pflege der Ohren ist ein leidiges Thema für nachlässige Spanielbesitzer. Kontrolliert man die Ohren jedoch beim Kämmen und hat für den Bedarfsfall Ohrreiniger zur Hand wird das nie zum Problem.
    Der Englische Springer Spaniel wird als kompakter, kräftiger, fröhlicher und lebhafter Hund von gut 50 cm Schulterhöhe beschrieben. Das Wesen soll freundlich, unbekümmert und gehorsam sein. Ängstlichkeit und Aggressivität sind höchst unerwünscht. Das Haarkleid soll dicht, glatt und wasserresistent sein bei mäßiger Befederung.
    Beim Cocker gibt es eine große Farbvielfalt, wobei man sich beim Kauf nicht auf eine bestimmte Farbe versteifen sollte. Gute jagdliche Abstammung, ausgeglichenes Wesen, Gesundheit und eine gute Aufzucht sind weitaus wichtiger. Der Englische Springer hat meist die Farbe braun-weiß, seltener schwarz-weiß manchmal auch dreifarbig. Der attraktive rot-weiße Welsh Springer Spaniel mit einer Schulterhöhe von ungefähr 46 cm hat in Deutschland keinen rein jagdlichen Züchter. Interessenten müssten sich daher nach Frankreich oder Tschechien orientieren.
    Was ist nun einmal abgesehen von der Größe der Unterschied zwischen Cockern und Springern? Im schweren Schilfwasser tun sich Springer leichter. Sie erreichen dort ohne weiteres die Qualität von Labradoren. Bezüglich des Apportierens ist der Springer der leichter abrichtbare Hund. Cocker haben eine gewisse Eigenwilligkeit, an der schon so mancher Führer gescheitert ist. Vielleicht liegt es daran, dass der Führer bald dem unwiderstehlichen Charme seines Cockerwelpen erlegen ist und dieser dann die Führung im Zweierrudel übernommen hat. Der Cocker braucht keine harte, aber eine konsequente Erziehung.
    In den jagdlichen Zuchten des Englischen Cockers ist der Spurlaut gut verankert, beim Englischen Springer haben wir beim Spurlaut große züchterische Fortschritte gemacht, so sicher wie beim Cocker ist der Spurlaut jedoch noch nicht. Aber auch Hunde, die im Feld nicht den gewünschten Spurlaut am Hasen zeigen, sind im Wald meist fährtenlaut.
    Spaniels, noch nicht getrennt nach den verschiedenen Rassen, wurden in England seit hunderten von Jahren als Jagd- und Begleithunde geführt und gehalten. Die Herkunft des Begriffs "Spaniel" verliert sich im Dunkel der Geschichte. Eher weiß man es beim Wort "Cocker", das vom englischen "woodcock" = Schnepfe abgeleitet ist. Daraus kann man bereits ersehen, dass Spaniels primär zur Jagd auf Federwild eingesetzt wurden. Engländern graut es, wenn sie sehen, wie wir mit unserem Hund arbeiten. Der Spaniel ist jedoch so anpassungsfähig, dass man alles Wild mit ihm jagen kann.
    Es gab einmal eine schlimme Zeit in der Cockerspanielzucht und das waren die Fünfzigerjahre. Damals war der Cocker - vor allem der rote Cocker - ein Modehund. Wie bei den Moderassen so üblich, wurde mit allem gezüchtet, was entfernt einem Cocker ähnlich sah - ohne Rücksicht auf das Wesen! Und fast jeder, mit dem man über die Rasse spricht, kannte einmal solch einen schrecklichen Vertreter. Nun sind die Spaniels weit weg von jeder Mode. Die Eintragungszahlen sind auf ungefähr 1.500 pro Jahr deutschlandweit gesunken, davon sind ungefähr zehn Prozent jagdlich gezogen. Der Blick der Züchter für das rassetypische Wesen ist geschärft und gegen Menschen aggressive Hunde haben keine Chance mehr in der Zucht.
    Die Rasse hätte es verdient, wieder häufiger geführt zu werden. Für einen großen Teil der deutschen Jäger sind die Leistungen der Spaniels genau das, was sie brauchen. Darüber hinaus bekommen sie auch noch einen idealen Familienhund und Begleiter. Informieren Sie sich bei den jeweiligen Welpenvermittlungen der Zuchtvereine über jagdliche Züchter. Dann werden Sie hoffentlich bald das Vergnügen genießen mit einem Hund zu jagen, dessen Fröhlichkeit einfach ansteckend ist.

    Dezember 2004
    Regina Ückert
    (aus: Wild und Hund, Ausgabe 2/05)